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Veronika Schenk

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DIE WANDLUNG

Veronika Schenk

Roman

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Für Oliver – in Liebe, jenseits aller Geschichten.

Alles Sichtbare muss sich steigern
und fortsetzen ins Unsichtbare hinein.
Dadurch bekommt es die rechte Weihe
und rechte Klarheit und wurzelt
in den Weltzusammenhängen fest
.

I GING

Sie hört nur noch ihr Atmen. Ein rhythmisch präzis getaktetes Laufwerk ihrer Lungen, kurz ein, lang aus. Die Luft geht bis tief in den Bauch, ins Becken, die Füße, die Fingerspitzen. Mit der Steigerung des Tempos wurden ihre anfangs schweren Bewegungen leichter, jetzt fließen sie. Ihr Körper vibriert, einige Muskelpartien zucken unwillkürlich. Sie denkt nicht mehr nach. Etwas in ihr denkt. Kontrolle verlieren, mehr und mehr. Rausch.

Aber sie ist ganz klar. Sie läuft, läuft immer weiter.

Es ist ein wunderbarer Frühlingsmorgen. Die Flora grünt frisch, es duftet erdig, alles riecht nach Anfang, nach Neubeginn. Schweiß tritt ihr aus der Haut, Röte steigt ihr ins Gesicht. Feuer. Es gibt keinen Grund für eine Entscheidung, dies oder jenes zu tun. Sie folgt allein einem Impuls. Sie versteht, was passiert, aus der Kraft des Impulses heraus. Sie läuft.

Wenn sie zurückdenkt, weiß sie nicht, wie es dazu gekommen ist. Etwas veränderte sich. Ihr Blick auf die Welt erscheint in einem anderen Licht, jetzt, im Licht der Morgenröte, vielleicht, sie mochte es immer schon, dies zartfarbene Licht, an dem sich die Nacht scheidet zum Tag hin. Morgens um fünf, wenn alle im Hause schliefen, sah sie es aufsteigen, häufig, es ist ihr Licht gewesen, immer in allein erlebten Stunden, jetzt, es ist ihre Zeit der Träumenden zwischen Tag und Nacht. In diesem Licht spürt sie, wo ihr Zuhause liegt.

Sie spürte den Zugriff der Angst, loszugehen. Sie fragte nach ihren Eltern und erhielt keine Antwort, nach den Mutigen fragte sie, die einfach aufbrechen, um der Freiheit willen, dieser abstrakten Dame, deren körperliches Pendant Leichtigkeit heißen mag oder Fluss, wo waren die? Sie erhielt keine Antwort, sie fragte nach denen, die nicht nach Genehmigungen, Verträgen und Versicherungen fragen, bevor sie einen Schritt vor den anderen setzen, sie erhielt keine Antwort, sie stieg auf unsicheren Füßen ins eigene Leben.

Lena hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, morgens durch den an ihre Wohnung angrenzenden Park zu laufen. Danach ins Büro, dort dann die Aufträge: bearbeiten, erledigen, neue entgegennehmen und weiter. Bearbeiten, erledigen und weiter. Irgendwann konnte sie nicht mehr weiter.

Sie blieb zu Hause, sagte sämtliche Termine ab, blieb in ihrer Wohnung, starrte aus dem Fenster.

Sie spürte etwas vor sich stehen, sie atmete wie beim Laufen, es wurde immer rhythmischer, schneller, sie verlor den Kontakt unter den Füßen, spürte eine unendliche Tiefe, die sie immer weiter nach unten zog.

Lenas Bauch krampfte sich zusammen. Sie erhielt mehrere Schläge auf die Wange, ihr Kopf fiel wie ein loses Ei hin und her. Eine Nachbarin hatte die Tür angelehnt gefunden und war hereingekommen. Lena erwachte, ein Achterbahn-Gefühl im Bauch – sie spürte eine dunkle Angst im ganzen Körper. Sie kam von weit her, sie wusste, dass sie sehr weit hinabgestiegen war. Sie spürte jeden einzelnen Sonnenstrahl auf ihrer Wange. Ihr war schwindelig. Sie kannte dieses Gefühl. Jemand streichelte sie jetzt, befeuchtete ihre Wangen mit einem kühlen Tuch, dann Hals, dann Nacken. Erst allmählich konnte sie ihre Bilder an der Wand erkennen, ihre Nachbarin, ihre kleine Katze, die ihr den Bauch wärmte. Sie atmete tief ein, als finge jetzt alles noch einmal an. Weiter.

Lena schüttelte die Ohnmacht von sich ab, als sei nichts gewesen, machte sich noch etwas zurecht, hetzte dann ins Büro. Auf dem Weg in ihrem kleinen, dunkelgrünen Cabriolet ließ sie die Reste des Traumes zurück. Sie spürte Fahrtwind auf ihrem Gesicht. Sie war zu spät.

Man wartete bereits auf sie. Ein Meeting zu einem neuen Projekt. Die Diskussion war im Gang. Es ging um eine PR-Aktion, die im Auftrag der Frankfurter Messeleitung durchgeführt werden sollte, in Zusammenarbeit mit einem international anerkannten Künstler. Sabine Scholz, ihre Mitarbeiterin, klärte sie kurz flüsternd über die ersten Ideen auf. Ihr Chef ignorierte sie, ein deutliches Zeichen seiner Missbilligung.

Das Thema lautete: Kunst im öffentlichen Raum, als Zugpferd für höhere Besucherzahlen der jährlich stattfindenden Kunstmesse Art Frankfurt.

Man überlegte, wen man als Sponsor mit ins Boot holen könnte. Es stellte sich heraus, dass Lena das Projekt leiten sollte, was sie erstaunte, da sie sich bisher geweigert hatte, das Management im kulturellen Sektor zu übernehmen. In gewisser Weise war sie diesem Thema aus dem Weg gegangen, wollte nicht in Berührung kommen mit dem, was sie anzog und schmerzte.

Photos der Arbeiten eines der an diesem Projekt beteiligten Künstler wurden gezeigt. Bild-Installationen, dreidimensionale Bilder waren das, einige Arbeiten erinnerten an Designer-Raumobjekte. Sehr durchkonstruiert. Sehr exakt gearbeitet. Auffallende Materialien wie Glas, Kupfer, Leder. Kombinationen von Malerei und Photographie, immer wieder abstrakte Schwarz-Weiß-Aufnahmen dazwischen. Wie Bezugspunkte, Bild-Orte, die Anfang und Ende des Themas markieren. Lena gefielen die Arbeiten, obwohl sie manche etwas zu clean fand, zu technisch. Zu einem figurativen Bild, Mann sich auf die Arme stemmend, kritzelte sie auf ihren Notizblock: Headline Plakat: Kunst verleiht Flügel.

Man könnte eine der führenden Firmen aus der Photographie-Branche ansprechen. Und Unternehmen am Standort Frankfurt. Lena hatte einige gute alte Kontakte. Eine Location mit DJ wurde angedacht, jüngeres Publikum brauchte die Sache. Lena hatte Feuer gefangen. Ihr Chef war zufrieden. Das Projekt versprach aufregend zu werden. Mal was anderes als Produkt-Marketing und Promotion-Aktionen für irgendwelche Duschgels. Lena fühlte sich wohl, wenn diese Wärme in ihr aufstieg, wenn sie spürte, dass sie kompetent ist, dass sie neuen Herausforderungen gegenübersteht. Sie arrangierte ein Treffen mit dem Künstler, einem Griechen, der sein Atelier in Köln hatte. Köln, wo es viele ihrer Freunde nach dem Studium hingezogen hatte. Manilo Santos hieß er, er konnte nicht nach Frankfurt kommen, man telefonierte, tauschte Höflichkeiten aus, einigte sich auf einen Termin. Lena fuhr einige Tage später in die Domstadt.

Sie hatte Köln nie als besonders schön empfunden, jedenfalls nicht schöner als Frankfurt. Sie hatten sich am Telefon auf Englisch unterhalten. Man hörte seinen griechischen Akzent sehr stark durch. Ob der für eine PR-Veranstaltung überhaupt zu gebrauchen war? Lena war skeptisch.

Sein Atelier befand sich in der Innenstadt, im belgischen Viertel, in einem Hinterhof. Lena klingelte. Der Summer öffnete automatisch die Tür. Es gab nur einen langen, schmalen Weg, geradeaus bis zum Ende, wo sich ein halb geöffnetes Tor befand, der Eingang zu seinem Atelier.

Ihre Schritte auf dem Asphalt hallten wider, einsam und selbstbewusst. Sie klopfte an das große Eisentor, hörte undeutlich eine Stimme antworten. Sie öffnete das Tor. Ein stämmig wirkender Mann stand an einem Waschbecken, das Wasser lief, er drehte sich um mit zwei Kaffeetassen in den Händen, ob sie auch einen griechischen Kaffee trinken wolle. Automatisch ging sie auf ihn zu.

»Landmann«, sagte sie, »Lena Landmann, von MS Communications.« Santos lachte sie aus großen Augen breit an. »Ich weiß, wir sind verabredet, Missis Landmann.«

»Miss«, korrigierte Lena.

Er bemühte sich, deutsch zu sprechen, Lena bot ihm das Englische an, um ihm die Gesprächssituation so angenehm wie möglich zu machen. Der Gesprächspartner sollte sich von Anfang an zu Hause fühlen, sich in Sicherheit wiegen, eines bestmöglichen Resultats wegen. So hatte sie es vor Jahren auf der Kommunikationsakademie gelernt und so hatte es sich vor allem bei Erstgesprächen bewährt.

Er arrangierte einen kleinen Tisch und servierte einen griechischen Kaffee. Im Atelier roch es nach Farbe. Nach Zigarette. Er rauchte eine leichte griechische Marke, aus einer einfachen weißen Packung, die man ganz aufklappen konnte. Ein quadratisches Format, das man in Deutschland kaum sah. Lena erinnerte sich an das Meer, als sie das letzte Mal in Griechenland war. Es war kurz nach ihrem Studium. Sie hatte selbst noch geraucht, genau diese Marke. Mit dem Duft des Rauches waren die Bilder der Landschaft mit ihren wilden Gerüchen verknüpft. Lena konnte nicht widerstehen, sie nahm eine griechische Zigarette, als Santos ihr die Packung hinhielt. Sie roch an ihr, genoss den Duft des würzighellen Tabaks und legte sie behutsam auf den kleinen Holztisch.

Santos wirkte gelassen. Er war ein charmanter Mann. Erfolgreicher Künstler. Gut gebaut. Grieche in Deutschland. Der Reiz des Fremden. Sein griechischer Akzent. Die Frauen lagen ihm wahrscheinlich zu Füßen. Obwohl er nicht unbedingt gut aussah. Eher ein weiches Gesicht. Tiefbraune Augen und ein Bart in der gleichen Farbe. Lena mochte keine Bärte.

Man blieb beim höflichen Sie, glaubte Lena, war sich aber nicht ganz sicher. Im Englischen bleibt es ungewiss. Erst als er wiederholt ihren Nachnamen nannte, war es klar. Lena war einverstanden. Sie brauchte Distanz, um bei sich zu bleiben, bei ihrem beruflichen Anliegen, hier in der spätsommerlichen Nachmittagssonne, in irgendeinem Hinterhof in der Kölner Innenstadt. Im Tageslicht sah sie seine Falten, seine Sorgen, die Jahre, die ihn geprägt hatten. Er war nicht mehr ganz jung, obwohl er manchmal aufsprang in der Leichtigkeit eines jungen Mannes, um ein Bild näher ranzuho- len, einen Katalog seiner Arbeiten zu zeigen. Er drängte sich nicht auf, er blieb zurückhaltend bei allem. Athen, Heraklion, Chania. Er war auf Kreta geboren worden, aber in Athen bei der Tante aufgewachsen. Im Atelier standen frische Arbeiten, angefangene Bilder. Sie streiften daran vorüber wie auf einem Spaziergang. Die Titel waren Städtenamen aus Griechenland. Sie erzählten von Orten in Farben, abstrakten Formen, Sand, Dreck und Kaffeeresten. Sie dufteten nach den Städten.

Lena war erstaunt. Es waren viel sinnlichere Bilder als im Katalog. Er probierte aus. Eine Zwischenphase. Zurück zur Farbe.

Ob er auch zeichne? Nein, manchmal, um eine Skizze anzufertigen. Aber er war kein Zeichner mit dem Bleistift, früher ja, auf der Akademie in Athen, später in Madrid.

Er war herumgekommen in der Welt. Rastlos, wie es Lena schien. Lena überkam Fernweh, ihre alte Sehnsucht, zu reisen und zu arbeiten, beides miteinander verbinden zu können.

Er erzählte von den langen Durststrecken, den Hungerzeiten, wenig Geld zu haben, aber seiner Kunst trotzdem treu zu bleiben. Seinem Instinkt zu folgen bei allem. Der Nachmittag verging wie im Flug. Die Kunstaktion sollte an einem Freitag zur Eröffnung der Messe stattfinden. Bis dahin waren noch drei Monate Zeit. Wie so oft waren die ersten Ideen die besten. Kunst verleiht Flügel war bei allen Beteiligten gut angekommen. Sogar ein Getränkehersteller hatte seine Kooperation zugesagt.

Dazwischen – die Stille des Ateliers, das Leben der Bilder, das Licht, das sich sanft auf Tisch und Stühle legte, bevor es den Raum durchquerte. Schweigen. Sie schwiegen zwischendurch. Nur wenige Sekunden. Lag es an der Sprache, die doch beiden fremd war? Lena spürte, dass in diesen Sekunden sich ein Faden spann, etwas Unsichtbares zwischen ihnen entstand. Sie tauchte auf wie aus einer Trance. Santos erwartete noch jemanden. Lena schaute auf die Uhr, wann sie den nächsten Zug nach Frankfurt erwischen konnte.

An der Tür dann lud er sie zum Abendessen ein, gemeinsam mit ein paar Freunden, am selben Abend, falls sie noch in Köln sei. Lena zögerte. Immerhin war Santos Kunde. Aber sie erinnerte sich, dass ihr Chef sie immer wieder einmal ermahnt hatte, ein Abendessen auf Kosten der Agentur, das mache sich gut fürs Geschäft. Sie hatte keine zweite Garderobe dabei. Sagte aber zu. Sie probierte ein paar Telefonnummern, alte Freunde, Bekannte aus dem Studium. Aber dann entschied sie sich doch für ein Hotel, ganz in der Nähe des Ateliers. Sie hatte noch einige Stunden. Sie hatte sich erstaunlich wohlgefühlt in seinem Atelier. Sie mochte die Stimmung, die sich zwischen ihnen entfaltet hatte. Sie hörte ihn gern reden, vom ersten Augenblick an. Sie spürte eine grundlegende Ernsthaftigkeit, wenn er redete. Seine Stimme gefiel ihr, seine Verbindlichkeit. Die Sicherheit seiner Gesten, wenn er sich durch den Raum bewegte. Santos hatte es verstanden, sie aus ihrer professionellen Schutzhaltung zu lösen. Sie hatte schon lange nicht mehr so aufrichtig von sich selbst gesprochen. Die Bilder wiederholten sich noch einmal, in Ausschnitten, blitzartig.

Lena streunte durch die Kölner Ladenstadt und probierte hier und da ein Kleid an. In einem teuren Geschäft fand sie ein smaragdgrünes Kleid, knielang mit tiefem Ausschnitt, das ihr zusagte. Schlicht, elegant, feminin. Als Lena das Kleid anprobierte, bemerkte sie neben dem Spiegel eine Bronzeskulptur mit weiblich runden Formen, die dem Laden offenbar als Dekoration diente und wohl einen Henry Moore zur Grundlage hatte. Sie schloss die Augen und ertastete mit ihren Händen das Objekt. Die Verkäuferinnen beobachteten sie angespannt, ohne sich ihre Verblüffung anmerken zu lassen. Dafür war der Laden zu edel und Lena offensichtlich die Kundschaft, die man sich wünschte. Lena öffnete die Augen, atmete einmal kräftig durch, rieb sich die Hände und kaufte das Kleid, das sie auch gleich anbehielt. An der Kasse sagte sie: »Sie haben einen Riss!«

Die Geschäftsführerin schaute erschrocken an ihrem Kleid herunter. »Wo?«

»Ich meine Ihre junge Dame dort drüben.«

»Vielen Dank, wir werden uns gleich darum kümmern.«

Als Lena das Geschäft verließ, umrundete die Verkäuferin prüfend die Skulptur, konnte nichts finden und machte zu ihrer Kollegin ein Zeichen, dass die Kundin wohl verrückt sei. Lena hatte die Szene aus den Augenwinkeln beobachtet und gab ein Zeichen durchs Fenster, wo genau der Riss entlanglief. Die Verkäuferin wurde seiner gewahr und bedankte sich unbeholfen höflich.

Lena rief ihre Assistentin an, sie werde heute nicht mehr ins Büro kommen. Dass ihr Chef sie noch unbedingt sprechen wollte, ignorierte sie provokativ: »Schön für ihn.« Sie bat Sabine, ihm auszurichten, dass sie den Abend noch in Köln bleiben werde und geschäftlich mit Herrn Santos weitere Einzelheiten zu klären habe. Sie ertappte sich, wie sie auf offener Straße lachte, und sah, wie andere, wildfremde Menschen ihr Lachen erwiderten. Köln gefiel ihr diesmal gut.

Als sie etwas zu früh vor der Tür stand, drehte sie noch mal eine Runde. Sie wollte auf keinen Fall die Erste sein. In einem türkischen Gemüseladen kaufte sie eine riesige Wassermelone, die sie kunstvoll auf einer Handfläche balancierte. Sie bemerkte, dass sie aufgeregt war, als sie klingelte. Es war Viertel nach acht. Eine blonde Frau in Jeans und schwarzem T-Shirt öffnete die Tür. Maria, ein Gast oder seine Freundin? Sie war Halbgriechin, wie Lena später erfuhr, und sprach sehr gut Deutsch. Manilo Santos stand am Herd. Er duzte Lena jetzt, nannte sie bei ihrem Vornamen und stellte sie vor. Sie war die Zweite. Oder vielleicht doch die Erste? Lena schaute sich um. Sie trat ein in einen kleinen, charmanten Wohnbereich, der mit Papyruswänden vom Atelier abgetrennt war und ihr am Morgen nicht aufgefallen war. Nichts deutete darauf hin, dass hier ein Paar zusammenwohnte.

Lena fühlte sich leicht unbehaglich. Maria versorgte sie freundlich mit einem Cocktail zur Begrüßung. Lena kam sich in ihrem grünen, engen Kleid und den hohen Pumps etwas overdressed vor. Maria wirkte still und geheimnisvoll, sie schien sich sehr gut in dem Wohnatelier auszukennen. Sie wusste, wo was stand, öffnete die Schränke, ohne nachzudenken. Lena bemerkte, dass sie den Tisch deckte, als täte sie dies täglich. Sie wirkten wie ein Paar, harmonisch, bescheiden, ganz selbstverständlich. Lena bemühte sich, ihre Verlegenheit zu überspielen. Sie sprach professionell. Sagte, dass sie noch einen späteren Termin habe, den sie so schnell nicht habe absagen können. Santos reagierte, sagte, Maria sei gerade aus Italien zurückgekommen, früher als geplant, von einer Ausstellung ihrer Arbeiten, die sie dort aufgebaut hatte. Maria war ebenfalls Künstlerin, sie hatte ihr Atelier ganz in der Nähe. Lena spürte, dass sie und Manilo mehr als bloß ihr Künstler-Dasein verband. Sie bereute, gekommen zu sein. Was hatte sie erwartet?

Als es klingelte und zwei weitere Freunde kamen, war sie erleichtert. Die Spannung lockerte sich. Manilo trat aus seiner Kochecke heraus und servierte das Essen. Er setzte sich neben Lena, Maria nahm ihm gegenüber Platz. Lena konnte seine Augen nicht mehr sehen, spürte aber die ganze Zeit über Maria sie unauffällig beobachten. Lena richtete ihre Aufmerksamkeit betont auf die anderen beiden Männer, einen Schriftsteller und einen Künstlerkollegen. Lena kam sich seltsam klein vor neben diesen, wie ihr schien, selbstbestimmten Menschen. Sie bewunderte deren Kraft, im Kreativbereich, wie man es in ihrem Berufsjargon nannte, zu arbeiten, und erinnerte sich an diesem Abend seit Langem zum ersten Mal wieder an ihre eigenen künstlerischen Gehversuche, zu malen und, wie sie einst sich erhofft hatte, später einmal Figuren aus Stein zu hauen. Was sie seit Jahren verschlossen gehalten, gut verpackt in die Keller ihrer Träume verbannt hatte, war mit diesen Menschen heute Abend vorhanden. Saß mit ihr an einem Tisch, wollte lachen, essen, trinken, wollte leben.

Sie erzählte von ihren eigenen frühen Versuchen, die Freunde Manilos hörten gespannt zu, waren verwundert, dass sie nicht weitergemacht hatte. Sie wusste selbst nicht warum. Und sie war erstaunt, dass sie keine Antwort darauf hatte. Ob sie nicht wieder anfangen wolle? Aber Lena spürte, dass das jetzt nicht passte. Nein, sie war ja hier, um eine PR-Aktion in die Wege zu leiten, sie hatte kein Recht, die Seiten zu wechseln. Sie war auch schon viel zu alt. Was sollte sie machen, etwa noch einmal studieren, Kunst, an einer Akademie? Nein. Sie verwarf den Traum. Sie machte Scherze darüber. Das sei alles längst vorbei. Manilo ermutigte sie, sie könne jederzeit in sein Atelier kommen und anfangen, er könne ihr auch Unterricht geben. Lena war verwirrt. Was für ein Angebot. Er malte eine kleine Skizze auf die Serviette, eine Frau im Profil. »Helena«, sagte er. Lena sah ihr sehr ähnlich, sie spürte, wie ihr das Blut ins Gesicht schoss. Sie war, erinnerte sie sich, seit Jahren nicht mehr rot geworden. Sie überspielte es, indem sie dagegen anredete, als sei das gar nichts Ungewöhnliches, man habe ihr schon oft gesagt, dass sie ein griechisches Frauenprofil habe. Manilo reagierte ruhig, legte seine Hand kurz auf die ihre, sagte etwas auf Griechisch – Lena fragte nicht nach, als sie den starren Blick Marias auffing, die es wohl verstanden haben musste. Es konnte eine Gedichtzeile gewesen sein.

Sie ging zur Toilette, um sich zu beruhigen. Sie spürte den Alkohol. Bloß nicht hierbleiben, dachte Lena. Als sie zurückkam, schaute sie geschäftig auf die Uhr. Sie müsse bald gehen und morgen fit sein. Gerade wurde ihre Melone aufgeschnitten, sie musste noch bleiben. Maria entging nichts, sie beobachtete, wie Manilo aufblühte vor Aufmerksamkeit, leicht wurde, strahlte, Lena nachschenkte, sobald ihr Glas geleert war, ihr Komplimente machte, wie gut sie ihre Arbeit verstand. Lena spielte es herunter und war erstaunt, dass er von ihrer Arbeit sprach, als würde er sie sehr gut kennen – das sei doch alles gar nichts im Vergleich zum Leben eines freien Künstlers, wehrte sie ab.

Maria pflichtete ihr zum ersten Mal bei, dass es vor allem als Frau recht schwierig sei, ein harter Kampf, betonte sie, mit scharfen Blicken zu Manilo. Lena verabschiedete sich als Erste. Manilo begleitete sie bis zur Hoftür. Sie gingen den langen Hinterhofweg, nebeneinander, schweigend, als wollte jeder etwas sagen, was nicht gesagt werden konnte, nicht hier und nicht heute.

Lena fühlte sich benommen, sie machte einen Streifzug durch die Stadt, bis sie mit der Sicherheit einer Traumwandlerin an ihrem Hotel ankam. Es lag mitten in der Stadt. Als sie am Fenster ihres Zimmers stand und in die Lichter der Nacht blickte, hörte sie sanfte, warme Töne an ihr Ohr dringen. Sie erschrak, denn sie glaubte, dass die Stimmen wiederkommen könnten, dieses Summen kurz vor dem Fall. Nein, jetzt nicht, nicht hier, murmelte sie vor sich hin, fast beschwörend. Lena zog eine Jacke über, ging die Treppe hinunter und den Klängen nach, die immer lauter und rhythmischer wurden. Ein guter Soul, wie sie erleichtert feststellte. Ihre Lieblingsmusik. Unten in einem Nachtclub wurde Livemusik gespielt. Die Tanzfläche war leer, die Bar ansonsten voll. Lena bestellte sich einen irischen Whiskey und flirtete mit dem Barkeeper. Die Musik schien sie wegzutragen, zurück zum Abend, zum Abschied von Santos, der kurze Moment, als sie sich anblickten und sie die Intensität dieses Mannes spürte oder ihre eigene, das konnte sie so genau nicht unterscheiden. Aber sie spürte eine ungeheure Kraft, vor der sie sich auch fürchtete, ein inneres Frösteln überkam sie bei dem Gedanken daran, ein kühles, ein beängstigendes Gefühl. Sie rieb sich die Augen, sie wollte diese Begegnung einfach fortwischen, wieder klar werden, zu sich selbst kommen. Und was sollte das sein? Man selbst? – Sie hatte alles, was sie brauchte. Sie verstand ihren Job. Sie hatte gelernt, sich durchzusetzen in einer Männerwelt. Sie hatte ihren Verstand dafür eingesetzt, die Probleme anderer Leute, ganzer Konzerne zu analysieren. Sie verbrachte Tage und Wochen damit. Es war nicht immer leicht. Es war wie alles andere auch harte Arbeit. Ganz oben wird die Luft dünn. Sie hatte geschmeckt, wie es ist, allein zu stehen und Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen, die sie an manchen Tagen in die Knie zwang und sie wieder aufstehen hieß. Hatte gespürt, wie ihr Atem enger wurde. Die Leichtigkeit ihrer Zwanziger war in eine Festigkeit übergegangen. Sie war hart geworden, um zu überleben. Man würde dazu Karriere sagen, etwas in ihr weigerte sich, es so zu nennen. In den Augen ihrer Mutter Phis war sie gewiss erfolgreich, aber noch nicht gut genug, die hatte neben ihrem Job immerhin noch eine ganze Familie, drei Kinder und einen Mann, am Hals gehabt. Lena war es ein Rätsel, wie sie selbst noch Kinder bekommen sollte, wie Phis das alles geschafft hatte. Unermüdlich, mit einem strengen Konzept. Auch wenn sie sich seit Jahren von ihr fernhielt, soweit ihr das gelang, hegte sie doch eine Art Bewunderung für sie. Sie bestellte einen weiteren Whiskey und kippte ihn in einem Schluck. Hier nach Mitternacht in einer fremden Stadt fühlte sie sich wohl. Ein Zwischenraum, in den sie gerne eintauchte, bevor sie sich wieder dem Diktat ihres Terminkalenders ergeben würde. Zwischen all den Möchtegernhelden fiel sie kaum auf. Sie fügte sich erschreckend gut in ein vorhandenes Mosaik aus Karriere, Erfolg und dem unmissverständlichen Ausdruck eines unermüdlichen Kampfes, der in einem alles beschließenden Lächeln besagte: »Ich mache mein Ding.«

Sie wusste, dass sie ihre Rolle gut spielte, perfekt erfüllte. Nur wie lange noch? Am gegenüberliegenden Tisch hatte sie ein gut gekleideter Mann um die vierzig ins Visier genommen. Marke Abteilungsleiter auf Durchreise. Wichtige Meetings. Männerrunden, die sich gegenseitig die Show stehlen, um vielleicht doch noch auf den Kern der Sache zurückzukommen. Ansprechende junge Assistentinnen, die alles gewissenhaft mitschreiben, gelegentlich ein erfrischendes Lächeln an ihn richten. Sekretärinnen, die immer gut gelaunt Kaffee nachschenken. Der ganze Wahnsinn. Zu Hause Frau mit Kindern und ein Domizil in der Toskana. So oder so ähnlich. Abends wird er langweilig und schaltet den Fernseher ein. Der dritte Whiskey machte sie weich. Ihr Magen, ihre Eingeweide tauten langsam auf. Sie fühlte, wie ihr die Wärme in die Schenkel schoss und auch die Anspannung dieses Abends nachließ. Sie spürte seinen gierigen Blick und lächelte gelassen zurück. Sie wusste, dass sie das alles für eine Nacht vergessen könnte. Auch das gehörte dazu. Lena fischte sich einen Bierdeckel von der Theke und machte sich Notizen. Als sie jemand von hinten um die Taille fasste.

»Frau Landmann, ich dachte, Sie müssten früh schlafen gehen?«

»Aah! Hallo. Ramond? Ja, was für ein Zufall!«

»Wohnen Sie auch im Holiday Inn?«

»Ja, aber ich dachte, Sie würden hier leben.«

»Hab ich, bis vor Kurzem. Nachdem ich ein Literaturstipendium in Italien erhalten habe, bin ich nun seit drei Monaten in Rom und versuche zu schreiben, ich versuche es, es ist allerdings nicht leicht bei all den wunderbaren Ablenkungen. Kein Zuckerschlecken, diese süße Freiheit.«

»Dann sind Sie auch bald gegangen?«

»Ja, kurz nach Ihnen. Aber ich wusste nicht, dass das Schicksal uns so schnell wieder zusammenbringen würde.«

»Und Maria?«, platzte es aus Lena heraus. Sie war selbst erstaunt, dass sie diese Frage stellte, und fragte sich für den Bruchteil einer Sekunde, ob das nicht etwas zu intim war. Sie kannte ja diesen Ramond gar nicht.

»Was ist mit Maria? Sie ist eine wunderbare Frau. Ich verehre sie. Aber sie ist mit Santos – «

»Ja?«

»Wussten Sie das nicht, sie sind miteinander verheiratet, schon lange. Ich glaube fünfzehn Jahre. Aber soviel ich weiß, leben sie schon lange in Trennung.«

»Das verflixte siebte Jahr?«, warf Lena etwas holprig ein, nur um etwas zu sagen und ihre Verlegenheit zu überspielen.

»Bei Santos und Maria weiß man das nie so genau. Sie sind wie das Meer, sie bewegen sich beharrlich auf und ab, verschwimmen ineinander und tauchen erhaben wieder auf, streben an Land und spülen gemeinsam wieder zurück. Eine fast tragische Verbindung.«

»Übertreiben Sie nicht ein bisschen mit Ihrem Talent eines Schreibenden?«

»Die ganze Geschichte ist bei Weitem keine Übertreibung. Vielleicht sogar der Stoff zu einem spannenden Roman. Warum interessiert Sie das?«

»Ich muss meine Kunden gut kennen, um für sie erstklassige Arbeit leisten zu können.«

»Gut kennen, wie weit kann das gehen, Lena, ich darf doch Lena sagen?«, und er stieß mit ihr an und er rückte näher an sie heran und er nahm Lenas Hand. Lena war das unangenehm, nervös entzog sie sie ihm.

Ramond wechselte plötzlich seine Stimme und sagte in sehr ernstem Ton: »Lena, wenn Sie einen guten Rat von mir hören wollen – lassen Sie die Finger von Santos. Sie wissen schon, was ich meine.«

»Nein, das weiß ich nicht, spannen Sie mich nicht so auf die Folter. Ich glaube, wir sollten noch einen Whiskey trinken.«

Plötzlich klingelte ihr Handy.

»Verdammt, um Mitternacht, wer soll das sein? Ja, Landmann. Mark, was willst du mitten in der Nacht von mir. Ja, ich amüsiere mich köstlich. Ja, ich bin morgen pünktlich da. Bitte sorge dafür, dass ein paar Aspirin da sind. Die Präsentation, ja, ich mache das. Die Charts müssen natürlich fertig sein. Der Overheadprojektor muss eine Birne haben, die funktioniert. Nein, du bist nicht mein Assistent, ich weiß, bis morgen.« Sie drückte das Handy aus, murmelte »Wichtigtuer«, räusperte sich, sagte: »Mein Chef. Ein Workaholic. Nachts um zwölf tigert der noch im Büro rum. Aber davon haben Sie ja wirklich keine Ahnung.«

»Das stimmt. Aber ich kann gut tanzen.«

Lena verschmolz mit Ramond in einem sentimentalen Blues eines Billie-Holiday-Liedes. »Was meinten Sie damit, ich soll die Finger von ihm lassen?«

»Ach, vielleicht wollte ich mich auch nur wichtig machen und bin im Grunde meines Herzens eifersüchtig.«

»Auf Santos? Wegen Maria?«

»Nein, nicht wegen Maria«, er drückte sein Becken etwas dichter an das ihre. Lena verstummte und spürte, wie ihre Körper im Rhythmus der Musik langsam verschmolzen. ›Ramond‹, dachte Lena, ›ein schöner Name.‹ Sie spürte seinen muskulösen Körper unter der Anzugjacke.

Als es am nächsten Morgen an ihrer Tür klopfte, schreckte Lena hoch. Die Sonne blinzelte durch die Vorhänge. »Ja?«, rief Lena. Das Zimmermädchen wollte sauber machen. »Verdammt«, entfuhr es Lena. Es war zehn Uhr. Und sie war hoffnungslos zu spät. Sie war nackt, das Bett war zerwühlt, neben dem Kopfkissen lag ein Zettel, ein Abschiedsgruß, von Ramond unterschrieben. Was war bloß passiert, dieser teuflische Whiskey. Sie sammelte ihre Sachen zusammen, ließ ein Taxi über die Rezeption rufen. Klingelte bei ihrem Chef, Mark Schneider, durch. »Mark, es tut mir furchtbar leid, aber in Köln gab es eine Bombendrohung, ich komme hier nicht weg und fahre jetzt mit dem Taxi nach Frankfurt. … Nein, du kannst mir glauben, ruf bei der Bahndirektion in Köln an.«

Eine Bombendrohung also. Lena musste lachen, sie wird es Mark irgendwann einmal erklären.

Sie saß im Taxi und wählte Santos’ Nummer. Als Maria abnahm, stockte ihr der Atem. Sie nahm sich zusammen, sie wollte Santos sprechen. Sie hörte, wie Maria sich verabschiedete, als seine Schritte näher kamen.

»Santos.«

»Ja, hallo Manilo, ich bin’s noch mal, Lena Landmann.«

»Lena, was für eine schöne Überraschung. Sind Sie, bist du noch gut ins Hotel gekommen? Ramond war übrigens auch im Holiday Inn abgestiegen, hast du ihn noch angetroffen, er ist kurz nach dir gegangen.«

»Ja, nein. Eh. Wir haben uns kurz an der Bar unterhalten, ein begabter Schriftsteller.«

»Ja, das glaube ich auch, aber er muss noch mehr Disziplin aufbringen, um wirklich gut zu werden. Bisher ist ihm zu viel in den Schoß gefallen. Er fährt heute zurück nach Rom. Hättest du nicht Lust, ihn mit mir dort zu besuchen, ich meine nach dem ganzen PR-Rummel?«

»Darüber wollte ich mit dir sprechen. Es geht nicht, ich kann das nicht machen, ich kann nicht für dich arbeiten.«

»Aber wir haben doch alles besprochen.«

»Alles? Was ist mit Maria?«

»Was soll mit Maria sein? Hat Ramond dir etwas erzählt?«

»Ja.«

»Okay, dann weißt du, dass wir verheiratet sind und in Trennung leben. Das kommt in den besten Familien vor. Was hat das mit unserer Zusammenarbeit zu tun?«

»Das kann ich dir nicht erklären. Es ist mehr ein Gefühl.«

»Die toughe Geschäftsfrau zeigt Gefühl, alle Achtung. Trotzdem kann ich dir nicht ganz folgen. Es ist eine ganze Menge Geld im Spiel und der Vertrag mit Schneider ist unterzeichnet. Die Sache läuft doch bereits, und du willst aus einer Laune heraus aussteigen – bist du eifersüchtig?«

»Welches Recht hätte ich dazu?«

»Beantwortest du Fragen immer mit einer Gegenfrage?«

»Wenn ich keine Antwort weiß.«

»Lena, ich glaube, du vermischst hier etwas, was nicht zusammengehört.«

Lena zog es die Gedärme zusammen. »Gerade darum geht es, es ist bereits vermischt und es passt nicht zusammen.«

»Was meinst du, bitte sprich jetzt nicht in Rätseln.«

»Vielleicht bin ich mir selbst ein Rätsel, der ganze Abend gestern hat mich sehr verwirrt – und die Nacht …«

»Ja, ich weiß. Es war ein besonderer Abend, weil du da warst. Du hast uns alle verzaubert, und auch Maria war ganz angetan von dir.«

»Ach ja?«

»Ich möchte dich gerne kennenlernen. Aber lass uns das verschieben. Wir sind keine Kinder mehr – Lena, bist du noch da?«

»Nein. Ich bin nicht da, es ist eine andere, eine, die ich lange versteckt gehalten habe. Ich kann so nicht mehr weitermachen. Ich werde das Ganze mit Schneider besprechen und melde mich wieder, wenn ich in Frankfurt bin.«

Als Santos noch was erwidern wollte, hatte Lena schon das Mobiltelefon ausgeschaltet. Ihre Hände zitterten. Sie ließ den Taxifahrer eine Ausfahrt nehmen und verließ den Wagen, als sie an einem Waldstück angehalten hatten. Lena lief durch den Wald, bis ihr der Schweiß auf die Stirn trat. Mit hochrotem Gesicht stieg sie wieder ein. Der Taxifahrer bot ihr einen Schluck aus seinem Flachmann an, den Lena genussvoll die Kehle runterfließen ließ.

»Ich heiße Heinz.«

Sie reichte ihm die Hand. »Lena. Danke. Ich glaube, wir können jetzt weiterfahren.«